Jahresversammlung der AG Wurmtal

Kürzlich fand die Jahresversammlung der Arbeitsgemeinschaft Wurmtal statt, zu der Dr. Hans-Jürgen Weyer, stv. Vorsitzende der lokalen Naturschutzgruppe, über 40 Gäste begrüßen konnte.
Darunter der 1. stv. Bürgermeister der Stadt Herzogenrath, Dr. Manfred Fleckenstein, sowie die Herzogenrather Ratsmitglieder Dr. Bernd Fasel und Toni Ameis.

Auch in diesem Jahr hat sich bestens bewährt, eine Kombination aus internem Bericht und externen Rednern anzubieten.
Zunächst stellte die Biologin Katja Rüth Methoden vor, mit deren Hilfe professionelle Nachweise für das Vorhandensein bestimmter Tiergruppen erbracht werden. Dabei zog sie Fledermäuse und Wildkatzen als Beispiel heran, Tiergruppen, die sie selbst bereits bearbeitet hat. Lichtschranken für Fledermäuse und Lockpfähle, an denen Wildkatzen beispielsweise Haare hinterlassen, haben sich bestens bewährt.
> Eindrucksvolles Bildmaterial veranschaulichte die Methoden.

Der langjährige Vorsitzende der AG Wurmtal, Günter Kalinka, berichtete über die Schwerpunktarbeiten der Naturschützer.
Baumaßnahmen innerhalb des Naturschutzgebietes (NSG) Wurmtal sind nach wie vor eine große Besorgnis.
Bei einer Bestandsaufnahme bedrohter Arten hat sich überraschend herausgestellt, dass beispielsweise von Ringelnatter und Blindschleiche die meisten Tiere nicht innerhalb des NSG, sondern auf den kleineren Flächen des westlich benachbarten Landschaftsschutzgebietes anzutreffen sind.
Das war Anlass für die AG Wurmtal, zusammen mit anderen eine Ausweitung des Naturschutzgebietes zu beantragen.

Eine kurze, wenn auch heftige Diskussion entstand in Zusammenhang mit dem geplanten Radschnellweg, der von Aachen bis zum Herzogenrather Bahnhof führen soll.
Mit großer Verwunderung nahmen die Zuhörer zur Kenntnis, dass die Städteregion trotz aller Bürgerbeteiligungen und Vorschläge zur Trassenführung nun doch bei der ursprünglich vorgesehenen Trasse entlang der Bahnlinie und damit an das NSG angrenzend bleiben will.
Die AG Wurmtal kann sich beim besten Willen nicht vorstellen, wie eine z. T. 6 m breite Trasse auf Herzogenrather Gebiet entlang des Bahndammes führen soll, ohne dass das NSG betroffen würde.
Auch die Prognose, dass eine fünfstellige Zahl von Autofahrern auf das Fahrrad umsteigen würde, betrachten die Naturschützer als unseriös.
Auf der Versammlung wurde dringend appelliert, den Plan, die "Radautobahn" bis Pannesheide zu führen und dann ggf. die vorhandenen Radwege entlang der Neustraße zu nutzen, unbedingt weiterzuverfolgen.

Höhepunkt des Abends war der Vortrag von Michael Buchty, Doktorand am Lehrstuhl für physische Geographie der RWTH Aachen.

Er berichtete ausführlich über seine Doktorarbeit, die sich mit den menschlichen Einflüssen auf die Wurm befasst. Dabei wird versucht, alle anthropogenen Einflüsse der letzten 1.000 Jahre auf den Wurmverlauf zu betrachten.
Das Einzugsgebiet der Wurm im Stadtgebiet Aachen wird ebenso herangezogen, wie der Steinkohlebergbau oder der Betrieb (und der spätere Rückbau) von Mühlen.
Die Sedimente, die der Fluss in der Talaue abgelagert hat, sind ein Spiegel für die vielfältigen Aktivitäten und wurden daher intensiv beprobt. So haben sowohl die im Jahre 1963 zu Ende gehenden Kernwaffentests in der Atmosphäre wie die Nuklearkatastrophe von Tschernobyl 1986 ihre Spuren im Sediment der Wurm hinterlassen.
Diese ganzheitliche Betrachtungsweise wurde eindrucksvoll und anspruchsvoll geschildert und mit Beispielen hinterlegt.
Der aus Merkstein stammende Geograph betrachtet die Wurm als ein Stück seiner Heimat und hat so einen besonderen Bezug zu seinem Untersuchungsobjekt. Lang anhaltender Beifall bewies, dass die Teilnehmer an diesem Thema sehr interessiert waren und den Vortrag als sehr informativ und spannend betrachteten.

Anschließend fanden die Zuhörer bei einem Imbiss ausreichend Gelegenheit zur weiteren Diskussion, so dass am späten Abend eine eindrucksvolle Versammlung ihr Ende fand.

Die AG Wurmtal ist ein eingetragener Verein, der sich ausschließlich der Arbeit im Naturschutzgebiet Wurmtal und angrenzender Gebiete widmet. Die Fragestellungen und Problemfelder werden auf den Monatssitzungen behandelt sowie Arbeitseinsätze vorbereitet.

Auskünfte siehe: www.ag-wurmtal.de

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